Mittwoch, 14. Februar 2018

GESCHWISTERLIEBE

Nachdem wir Motti damals erzählten, dass er großer Bruder werden würde, ging bei ihm sofort das Kopfkino los. Er wusste augenblicklich, dass er eine Schwester bekommen würde. Er hat von da an nur noch von "der Schwester" gesprochen, und es natürlich gleich überall rumerzählt. Dabei wussten wir alle noch garnicht, welches Geschlecht das Baby haben würde. Er hatte da wohl einfach eine gewisse brüderliche Intuition.


Jedenfalls war seine Freude sehr groß. Er freute sich auf eine Spielpartnerin und sprach wirklich häufig von unserer Zukunft zu viert. Ich dachte mir damals irgendwann, na warte mal ab bis die Kleine da ist und du die Aufmerksamkeit von Mama, Papa, Oma und Opa teilen musst. Dann ist sicher Schluss mit lustig.
In den letzten Wochen der Schwangerschaft ging es mir ja bekanntermaßen nicht sonderlich gut (hier gibt's den ganzen Schwangerschafts- und Geburtsbericht). Schon hier überraschte Motti mich sehr. Er war so verständnisvoll, nahm Rücksicht und half mir wo er konnte. Die riesen Murmel wurde gestreichelt, geküsst oder bekam Geschichten erzählt. Er stand die vielen Arztbesuche durch und beschwerte sich nur selten.


Als Miss Motti dann auf der Welt war und er sie das erste mal auf der Intensivstation besuchen durfte, war das ein sehr rührender Augenblick für mich. Er brachte ihr seinen Lieblings-Teddy mit und streichelte sie durch die Öffnung im Inkubator. Wenn ich daran zurück denke, steigen mir sofort wieder die Tränen in die Augen. Er redete so sanft zu ihr und strahlte ganz stolz.
Für Geschwisterkinder gab es nur ganz begrenzte Besuchszeiten, sodass er sie in dieser Zeit nur ein paar mal sah. Als wir endlich auf die Überwachungsstation verlegt wurden, konnte er seine Schwester dann endlich zum ersten mal halten. Sein Blick war so zärtlich und stolz.




Eines Tages, auf dem Weg zu ihr, fuhren wir zu dritt an der Klinik vorbei und als Motti das Gebäude erblickte rief er aufgeregt: "Da ist das Haus, in dem meine Schwester wohnt". Puh, das war wie ein Hieb in die Magengrube. Für ihn waren die Besuche dort schon so alltäglich, dass er ganz vergessen hatte, dass wir die Kleine irgendwann mit nach Hause nehmen würden.


Aber auch dieser Tag kam und hat einen ganz besonderen Platz in meinen Erinnerungen. Ich fühlte mich plötzlich so frei und wollte Miss Motti am liebsten sofort die ganze Welt zeigen. Für eine kleine Runde mit dem Kinderwagen hatte es am ersten Tag zu Hause sogar tatsächlich gereicht. 😀


Von da an entstand etwas ganz Besonderes zwischen den beiden. Motti schlüpfte in die Rolle des großen Bruders, entwickelte einen starken Beschützerinstinkt und ist seitdem ihr größter Fan. Er kuschelt sie, tröstet sie, feuert sie an, lobt sie und ist der tollste große Bruder, den ich mir für sie wünschen kann. Er weiß nicht, dass sie ein Chromosom mehr hat als er, aber das ist auch völlig irrelevant. Denn Liebe zählt keine Chromosomen 💓


Mit dem Pullover konnte ich meinem großen Helden einen kleinen Wunsch erfüllen. Der schmal geschnittene Bimaa-Sweater passt ihm einfach super und der Kragen ist immer wieder ein Hingucker. Auf die Brust habe ich ihm das Gesicht von Clay, seinem Lieblings-Nexo Knight appliziert. So leicht habe ich ihn lange nicht mehr vor die Kamera bekommen. 😁


Den Schnitt bekommt ihr im Februar als Schnitt des Monats bei Näh-Connection im Angebot.

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