Sonntag, 12. November 2017

KOMM, WIR KÄMPFEN!


Wenn es um das Thema Kindererziehung geht, gibt es wahrscheinlich endlos viele Meinungen zu endlos vielen Themen und darüber, was richtig und falsch ist. So sicherlich auch zum Thema Kinderspiel und -spielzeug. Mir war immer wichtig, dass Motti nicht schon bei der Auswahl des Spielzeuges in Geschlechterrollen gedrängt wird, weswegen ich versucht habe, ihm möglichst viele verschiedene Spielsachen anzubieten. Neben Bau- und Konstruktionsspielen, die ja für Jungs eher als "typisch" angesehen werden, hat er deshalb auch eine Kinderküche, einen Puppenwagen mit Puppe, Bastel- und Maluntensilien und ähnliches, das man vielleicht eher in die Kategorie "Mädchenspielzeug" einordnen würde. Er sollte selbst entscheiden, was ihm gefällt und spielen, womit er möchte. 


Eine zeitlang war das alles dann auch mal interessant, aber wie ihr sicherlich wisst, sind wir Eltern nicht die einzigen, die unser Kind erziehen. Spätestens im Kindergarten werden Kinder nämlich auch von den anderen Kindern und deren Meinungen geprägt. Das ist ein wichtiger und ganz natürlicher Prozess. Nur manchmal passieren dann auch Dinge, die man als Mama (und Papa) vielleicht selbst garnicht befürwortet.


Ich zum Beispiel bin kein großer Fan von Spielzeug-Waffen und davon, sich im Spiel zu bekriegen. Trotzdem hat es nach Eintritt in die Kita garnicht lange gedauert, bis sich der erste Finger auf mich richtete und mich erschoss. Puh. Wie halte ich das denn jetzt von meinem Kind noch fern, hab ich mich gefragt? Heute weiß ich: Garnicht. Wir können nicht alles von unseren Kindern fern halten, was uns nicht gefällt.



Ich bin nach wie vor kein Fan von Kampf-Spielen, mein Sohn jedoch schon. Im Kindergarten bekriegen sich die Ninjas mit ihren verschiedenen Kräften, ganz hoch im Kurs stehen aktuell auch die Nexo Knights und ihre Waffen (Lego-Fan-Eltern kennen sich vielleicht aus). Der Laternenstab wird zum Schwert umfunktioniert, der eingesammelte Stock ist eine Pistole, mit der Diebe gejagt werden. Und immer wieder hört der Papa am Abend: "Komm, wir kämpfen".


Wir haben jetzt schon öfter über das Thema Krieg gesprochen, denn irgendwie scheint es Motti zu beschäftigen und es ist mir auch wichtig, dass er weiß, was "Kämpfen" auch bedeuten kann. Er weiß, dass Krieg etwas Schlimmes ist und es scheint ihn auf gewisse Weise auch zu ängstigen. Deshalb erklärt er mir immer wieder "Aber Mama, wir spielen doch nur". Und ich denke mir mittlerweile: "Was soll's, lass ihn spielen, das gehört anscheinend einfach dazu".
 
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Schnitte: Bimaa-Sweater von Näh-Connection, Mottis Jeans slimfit von mir, Coole Kappe von Klimperklein
Stoff: Mellow von Mamasliebchen

1 Kommentar:

  1. Liebe Dominique,
    ich habe zwei Jungs. Der eine 9, der andere 6 Jahre alt. Beide kämpfen für ihr Leben gerne. Mal sind sie Ninjas, ein anderes mal Ritter oder sie schlüpfen in ganz andere Rollen die sich bekämpfen. Immerhin, Polizisten haben auch Waffen, und die gehören zu den "Guten".
    Auch wir waren anfangs nicht begeistert von diesem Spiel. Aber wenn ich da an meine eigene Kindheit zurückdenke, so war auch dort "Käpfen" ein beliebtes Spiel. Meine Eltern und deren Eltern funktionierten ebenfalls Äste zu Schwertern oder Waffen um. Diese Überlegung im Hinterkopf und die Beobachtung, dass wir nicht wirklich etwas gegen dieses Spiel tun können, haben wir mit den Kindern Regeln vereinbart. Regel Nr.1: nur so weit gehne wie der andere auch mag und niemals wirklich verletzen! Wir tuen uns nicht weh!
    Parallel dazu haben wir mit den Jungs besprochen, was Krieg wirklich ist und was dieser anrichten kann. Gerade im Zuge der vielen Flüchtlinge nicht all zu schwer.
    Und wenn man mal ganz genau hinschaut, dann ist da Kämpfen bei den Kindern wirklich nur ein Spiel. Nur weil sie im Spiel ein Kind bekommen, heißt das ja auch nicht, dass sie morgen schwanger sind ;-)

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